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Dienstag, 24. Oktober 2017

Sagenhafte Gams !

Die Gämse oder Gams spielt in den Sagen, Brauch und Geschichten aus den Alpen eine kleine, aber feine Rolle. Sie ist eines der Symboltiere der Berge und viele Flur- und Bergnamen beziehen sich auf sie. Allein sieben Berge in den Alpen heißen Gamskogel und die Ortschaft Kitzbühel in Tirol hat eine Gams im Wappen.



Jagd im Hochgebirge auf Stein- und Gamsböcke, aus den "Livre de chasse (Das Buch von der Jagd)" für Gaston Phebus, 1387-1389.

Auch viele traditionelle Lieder behandeln die schwierige und gefährliche Jagd nach ihr.

 
Gemsjäger waren einige der wenigen Alpenbewohner, die sich in die hohen Gipfelregionen der Alpen vorwagten. Sie mussten wissen, wie man sich zwischen Fels und Geröll bewegen kann. Sie kannten die Berge und wussten auch, wenn sich das Wetter verschlechtern würde. Gemsjäger werden im späten 18. Jahrhundert die ersten Führer für Bergsteiger und Naturforscher sein, die die Gipfelregionen der Alpen besteigen oder erforschen wollen.

J. Hess "Position dangereuse prés du Finsteraarhorn de Jean Fellmann et Gabril Schilt, fameux chasseurs de bouquetin et chamois, le 114 octobre 1822. J. Fellmann und G. Schilt, berühmte Steinbock- und Gemsenjäger in gefährlicher Lage am Finsteraarhorn.

Gamsjäger wurden bewundert, aber da sie sich so oft in die Berge vorwagten, hatten sie auch einen eher zwielichtigen Ruf. So soll die Gams, mit ihren hakenförmigen Krucken und schwarzen Fell, eigens vom Teufel geschaffen worden sein, um die jungen Jäger ins Gebirge und so in ihr Verderben zu locken. Sogar der große Naturforscher Saussure schreibt in seinem Buch Voyages dans les Alpes (1786-1796) das Gemsjäger, “in den Wildnissen mit dem Teufel Umgang, der sie dann endlich in den Abgründen stürze” hätten. 
Einst soll ein junger Gemsenjäger aus Balma hoch in die Berge gestiegen sein. Plötzlich stand ein prachtvoller Bock vor ihm. Der Jäger nahm die Armbrust von der Schulter, legte an und zielte, aber der Schuss ging weit daneben. Der Jäger stutze, aber der Bock war auch schon verschwunden. Der Jäger wollte nicht aufgeben und stieg den Bock nach. Dreimal noch verfehlte er sein Ziel. Endlich, nach langer, mühevoller Verfolgung, gelang es dem erschöpften Mann, den Gemsbock zu töten. Stolz lud er die Beute auf seine Schultern. Beim Abstieg merkte er, wie die Last immer größer wurde. Plötzlich blitze es in den Augen des Gamsbock auf. Es war der leibhaftige Teufel! Der Höllenfürst stürzte sich schon auf den Jäger, um die Seele zu fordern, als der Schütze im letzten Moment den heiligen Georg anrief. Da war der Spuck so plötzlich verschwunden, wie der Gamsbock zum ersten Mal aufgetaucht war.

Maria Rehm, um 1987, der Teufel als Gams auf den Pian della Mussa.

Im Triglav-Gebiet hat die Sage vom wilden weißen Gamsbock Zlatorog ihren Ursprung. Er hatte goldene Hörner und lebte hoch oben am Triglav in einen Garten, dessen Besitzer die Herrinnen der Tiere, die heiligen Frauen der Berge, waren. Im Garten verborgen war auch ein Schatze. Als sich ein habgieriger Jäger des Schatzes bemächtigen wollte, schlich er sich an Zlatorog an und erschoss ihn. Aus dem Blut des getöteten Gamsbocks wuchs auf der Stelle eine Wunderblume, die Zlatorog das Leben zurückgab. In rasender Wut tötete Zlatorog den Übeltäter. Hernach zerstörte er den Gebirgsgarten und ward nie mehr gesehen.

Der deutsche Schrifsteller Rudolf Baumbach (1840-1905) verfasste das fast hundert Seiten lange Gedicht "Zlatorog. Eine Alpensage" erstmals 1877, in welchem er verschiedene Sagenmotive, ein verborgener Schatz, eine verfluchte Alpe, seltene Blumen, zu Unrecht vergossenes Blut und die Sage von der Herrin der Tiere, verarbeitet.

Die Zlatorog-Gams, um 1923 von Karl Huck (1876-1926). Huck war ein österreichischer Maler der vor allem Tiere des Hochgebirge malte. 

Die ersten Bergtouristen wurden mit angeblichen Gemseneier und Gamsbärte zum Narren gehalten. Man berichtete sogar von Gamsbartwilderern, die den Gamsböcken den Bart abschneiden. Die Gämse hat aber von Natur aus keinen Ziegenbart, da sie nicht eine echte Ziege ist. Beim sogenannten Gamsbart handelt es sich um die dunklen Rückenhaare des brünftigen Gamsbocks, die zu einem Gamsbart erst zusammengerupft werden müssen.



Für heute sollte das genug sein über mich, also bis zum nächsten Mal,

eure Tuifele-Gams.

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