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Sonntag, 24. September 2017

Pflanzen der Alpen - Überlebenskünstler Flechten

Bei einer Wanderung werden sie oft und gern übersehen, ähnlich wie Moose, aber Flechten findet man in den Bergen fast überall wenn man nur genau hinschaut.


Flechten sind keine Pflanzen, sondern eine Lebensgemeinschaft von einem Pilz mit einzelligen Algen, Bakterien und anderen Mikroorganismen. Die Algen liefern den Pilz Nährstoffe, weil sie aus Sonnenlicht und Kohlendioxid Zucker bilden können. Der Pilz umhüllt dafür die Algen, schützt sie vor ungünstigen Umwelteinflüsse und hält sie feucht. Zusammen können sie so auch noch die lebensfeindlichsten Bereiche im Hochgebirge besiedeln. Flechten können auf nackten Gestein bis in einer Höhe von weit über 7.000m gefunden werden. Weiter unten findet man sie auf Steine, auf den Erdboden oder an Bäumen hängend. In Mitteleuropa und den Alpen gibt es schätzungsweise 2.000 Arten.



Die äußere Form einer großen Flechte wird immer durch den Pilz bestimmt, man unterscheidet daher:

Strauch-, Bart-, Bandflechten: Flechte bartartig hängend, wie die gelbe Wolfsflechte (Letharia vulpina), oder strauchig wie die weiße Cladonia.




Blatt-, Laubflechten: Flechte blättrig, dem Substrat anliegend, wie dieses Isländisches Moos (Cetraria).


Krustenflechte: krustig, schuppig oder staubig auf dem Substrat anliegend, wie diese Porenflechten (Pertusaria).


Manche Biologen unterscheiden auch noch Gallertflechten, das sind Flechten die bei Feuchtigkeit aufquellen und gallertartig werden. Da diese Flechten aber auch in die anderen Gruppen fallen können, wird diese Unterscheidung nicht von allen angewendet.


Die Krustenflechten sind die häufigsten Flechten und auch sehr interessant für Geologen. Mittels der Größe eines Flechten-Lagers, wie der Hauptkörper einer Flechte genannt wird, kann an das Alter der besiedelten Oberfläche bestimmen. Flechten werden im Hochgebirge dazu benutzt, um das Alter von Steinschlag zu bestimmen oder um Gletscherstände zu rekonstruieren. Im Laufe der Zeit wachsen Flechten langsam aber beständig. Je größer eine Flechte oder je mehr Flechten eine Oberfläche bedecken, desto älter muss diese Oberfläche sein. Fünf bis 100 Jahre nachdem eine Oberfläche, zum Beispiel ein Stein von einem Gletscher freigegeben wurde, frei wird, beginnt die Besiedelung durch Flechten. Flechten wachsen zuerst schnell, mit der Zeit nimmt die Wachstumsgeschwindigkeit aber ab. Alte Flechten wachsen nur noch langsam, bis sie schließlich abzusterben zu beginnen. Einige Flechten können sehr alt werden. Die Landkartenflechte kann bis zu 5.000 bis 9.000 Jahre alt werden. Nicht alle Flechten wachsen gleich schnell und gleichmäßig, deshalb können nicht alle Flechten zur Altersbestimmung verwendet werden. Flechten werden zumeist dazu benutzt, um freie Gesteinsflächen die 200 bis 500 Jahre alt sind zu bestimmen.

Euer,

Karl.

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