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Samstag, 9. September 2017

Auf zum Hexensabbat!

"Wenn jemand im Januar als Stier oder Hirsch erscheint, sprich sich selbst als wildes Tier kleidet und das Fell von einem Herdentier anzieht, und den Kopf eines Biestes, jene die dies tun und sich so in eine Erscheinung eines wilden Tiers verwandeln, sollen mit drei Jahren bestraft werden, denn dies ist teuflisch."
Theodor von Tarsus (602-690)

„Die vollkommene List des Teufels ist, euch zu überreden, dass er gar nicht existiert.“
Charles Baudelaire (1821-1867)

Er ist unter vielen Namen bekannt, wie Luzifer, Satan und Mephisto, aber am bekanntesten ist er wohl als Teufel. Der Name leitet sich vom griechischen Diabolos ab, was „Durcheinanderbringen“ bedeutet. Der Teufel entstand als das Gute vom Bösen getrennt wurde. Satan war zunächst nur ein Diener des Gottes Jahwes, der in dessen Namen die Menschen prüfte und bestrafte. Erst im 6. Jahrhundert wird er ein eigenständiges Wesen, das von Gott wegen seines Hochmuts verstoßen wurde, „Ich will auffahren, über die Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten.“

Im 13. und 14. Jahrhundert glaubte man, das Hexen und Hexenmeister ihre Macht direkt vom Teufel erhielten, den sie bei geheimen Tänzen trafen. In 1437 erschien das Wer Formicarius, das gängige Vorstellungen von Hexentänze beschreibt. Man stellt sich vor, das Hexen durch die Luft reiten konnten und sich in Tiere verwandeln konnten. Das Reittier konnte ein schwarzer Bock, eine riesige rote Katze, ein Wolf, ein Hund, ein Pferd oder sogar geflügelte Dämonen sein, aber auch eine Mistgabel oder Besenstiel.
Dieser Holzschnitt aus "De laniis et phitonicis mulieribus" (1489), ein Pamphlet verfasst vom deutschen Jurist Ulrich Molitor (1442-1508), zeigt die Wilde Jagd durch die Luft.


Zum Hexentanz trafen sich Hexen und Hexenmeister um Mitternacht an bestimmten Orten, wie Waldlichtungen, Richtstätten oder auf Bergen.

Einer dieser Treffpunkte war angeblich der Schlern (2.563m), in den Südtiroler Dolomiten. Der Schlern ist ein ehemaliges Riff das sich über vulkanische Gesteine erhebt, der Gipfel wird von einem breiten Hochplateau eingenommen, das übrig blieb als der überdeckende Hauptdolomit abgetragen wurde. 


Das Hochplateau wird seit mindestens der Bronzezeit genutzt, es verwundert daher nicht, das zahlreiche Sagen hier angesiedelt sind. In den vulkanischen Gesteinen können typische Abkühlungsstrukturen gefunden werden. Die sechseckigen Querschnitte der Basaltsäulen werden in den lokalen Sagen als „Hexenstühle“ bezeichnet, da sie, so die Sage weiter, während bestimmter Nächte als Sitzgelegenheiten für Hexen und Dämonen dienen.

 
Man speiste und trank und tanzte bis zum Morgengrauen. Der Hexensabbat war das wichtigste Treffen und fand in der Johannis- (zwischen 20. und dem 22. Juni) und der Walpurgisnacht (30. April) statt. Dabei trat auch der Teufel selbst in Erscheinung, oft in der Gestalt eines Ziegenbocks. Sein Aussehen mit Bocksfüßen erhielt er übrigens vom alten Hirtengott Pan. Zur Feier wurden höllische Gerichte gereicht, Raben- und Krötenragout, gekochte Kröten und Frösche und auch gebratenes Menschenfleisch. Die alte  Abbildung aus "The History of Witches and Wizards" (1720) zeigt das Festmahl, wie man es sich damals vorstellte.


Die Hexen und Hexenmeister mussten den Teufel anbeten, ihn am Schwanz küssen und Gott verleugnen. Dieses Bild aus den Tractatus contra sectam valdensium, des Johannes Trinctor, 15. Jahrhundert, zeigt einen solchen Hexensabbat.


Bohnerz, das auch hier gefunden wird, da es aus den überlagernden Sedimentgesteinen herauswittert, wurde auch in die Sage eingebunden. Die eisenhaltigen Konkretionen sind angeblich die Nägel die aus den Schuhen der tanzenden Hexen herausgefallen sind. Erst am Morgen verschwand der Spuk, wenn der Teufel zurück in die Hölle musste und sich die Hexen und Hexenmeister in alle Winde verstreuten.

Unter der Anleitung des Teufels lernten Hexen und Hexenmeister angeblich auch Schadenszauber. Sie konnten Mensch und Vieh verhexen und Krankheiten verursachen. In Wölfe verwandelt, wurde von den Hexen auch das Vieh auf den Weiden gerissen Am schlimmsten war der Wetterzauber. Durch Peitschen des Wassers wurden Gewitter heraufbeschworen, aus Wasser und Steinen wurde Hagel gemacht und mit anderen Zaubereien wurde Eis und Stürme heraufbeschworen. Dieser Aberglaube führte auch zu grausamen Hexenverfolgung, da man die angeblich Schuldigen an Unwetter und Unglück bestrafen wollte. Hexenprozesse fanden in der Nähe des Schlern statt, nämlich bei Schloss Prösels in Völs.

Ich muss mich jetzt entschuldigen, sonst komme ich noch zu spät zum Hexentanz ;)


Euer,

Alfred.

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