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Sonntag, 6. August 2017

Die Jagd nach den Steinbock

Seit Urzeiten wird der Steinbock gejagt. Ötzi, eine Eismumie die in den italienischen Alpen entdeckt wurde und über 5.000 Jahre alt ist, hatte vor seinen Tod Steinbockfleisch gegessen. Bei den Römern wurden Steinböcke in ihren Zirkussen vorgeführt und im Mittelalter war er eine begehrte Jagdbeute. Die Steinbockjagd war gefährlich. Die Tiere wurden in die Enge getrieben oder in steile Wände und dann mit bis zu 7m langen Jagdspießen heruntergestoßen. Das Ausfällen mit dem Gejaid- oder Gamsschaft war typisch für die Jagd in den Alpen. 

Fischfang und Jagd aus Kaiser Maximilians „Fischereibuch“ (1504), gemalt von Jörg Kölderer. Im Vordergrund Hofleute bei Musik und Tanz. Auf den steilen Berghängen eine Gemsjagd; die Jäger sind mit langen Spießen bewaffnet. Im Tal eine Hirschjagd; im vorderen Kahn ein Jäger mit Armbrust.

Als die ersten Feuerwaffen aufkamen wurde die Jagd sehr viel einfacher. Zu viele Steinböcke wurden abgeschossen und die Steinbockpopulationen litten sehr darunter. Im Weisskunig (1505-1516), eine Erzählung die auf das Leben von Maximilian I. beruht, lesen wir „die stainpöck waren also mit den handpuxn gar nahend ausgeödt worden...als der jung weiß kunig die stainpöck angefangen hat zu hayen, sein nit über vier stainpöck gewesen.“
Der Steinbock war nicht nur als Jagdtrophäe sehr beliebt, man glaubte auch, das Pulver aus seinen zerstoßenen Hörner gegen viele Krankheiten helfen würde. Das Pulver wurde in Apotheken für gutes Geld verkauft, kein Wunder das Jäger und Wilderer hinter mir her waren.


In den Ostalpen wurde der Steinbock um 1705 ausgerottet, ein letztes Tier wurde um 1756 in Oberösterreich erlegt. Im Schweizer Wallis wurde der letzte Steinbock um 1809 geschossen und in der Mont-Blanc-Gruppe um 1870. Diese alte Abbildung, um 1852, wurde hergestellt, als der Steinbock schon beinahe vollständig aus den Alpen verschwunden war.


Die letzten Steinböcke der Alpen überlebten ausgerechnet im persönlichen Jagdrevier von Umberto I., König von Italien. Sein Sohn jagte noch bis 1912 Steinböcke im Aostatal, sieben Jahre später schenkte er das Gebiet den italienischen Staat. Nur noch 100 Steinböcke gab es damals. Am 13. Dezember 1922 wurde der Nationalpark Gran Paradiso gegründet und heute leben wieder um die 2500 Steinböcke dort.  



Euer,

Alfred.

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