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Samstag, 3. Juni 2017

Pflanzen der Alpen - Schuttpflanzen lassen sich nicht so leicht unterkriegen

Hangschutt scheint nicht gerade das interessanteste Thema zu sein, tatsächlich ist aber der Schuttmantel unserer Berge ein außergewöhnlicher Lebensraum. Hangschutt bildet sich durch die Ansammlung von Gesteinstrümmern am Fuß einer Felswand, die infolge der Verwitterung einer Felswand entstehen. Der Schutt kann verschiedenste Korngrößen aufweisen, von großen Blöcken bis zu feiner Lehm, sowie lose oder fest sein. 

Schuttablagerungen am Fuß einer Felswand scheinen von weitem immer steiler zu sein, als sie dann tatsächlich sind. Es handelt sich dabei um eine optische Täuschung. Sind die Bilder, die unsere beiden Augen unter leicht verschiedenen Winkeln wahrnehmen, zu ähnlich, kann das Gehirn keine Tiefenwahrnehmung mehr wahrnehmen. Der obere Teil scheint daher dem Fuß des Schuttkegels angenähert zu sein. Von weitem verschwimmen auch die Details, wie Blöcke, auf dem Schutt und das Bild wird noch weniger klar für das Gehirn. 

Steil genug zum raufklettern sind sie trotzdem ;P


Tatsächlich wird die Hangneigung von lockeren Material durch den inneren Reibungswinkel des Materials beschränkt. So ordnen sich Sandkörner dachziegelartig an und verhaken sich ineinander, sodass der Reibungswiederstand und damit der Reibungswinkel am größten ist, und die Neigung maximal 30-35° erreichen kann. Schutthalden sind instabile Lebensräume. Stetig rutscht das Material nach unten und von oben erfolgt Steinschlag. Schuttwanderer, wie das Täschelkraut, durchspinnen mit langen Kriechtrieben den Schutt und überleben indem die Triebe der Bewegung nachgeben

Das Täschelkraut:

Schuttüberkriecher breiten sich mit schlaffen beblätterten Trieben über den Schutt aus. Wurzeln sind sehr viel flexibler und stärker als der Spross, da sich die Wurzeln notgedrungen an die Verhältnisse im Boden anpassen mussten. Schuttstrecker, wie der Alpen-Säuerling oder der Rhätische Mohn, überleben auch Überdeckung. Die dicken Sprosse arbeiten sich durch Schutt stets von neuem nach oben , und treiben dort immer wieder aus.

Der Rhätische- oder Alpen-Mohn:

Schuttdecker und Schuttstauer, wie Gipskraut, Silberwurz, Blaugras und Horstseggen bilden wurzelnd Decken und Polster aus, die sehr stabil sind und der Schuttbewegeung wiederstehen. 

Der Silberwurz:

Beim Stängellosem Leimkraut reicht das Wurzelsystem bis zu einem halben Meter in den Erdboden. Diese Hindernisse stellen erste Ruhepunkte in einer Schutthalde dar, wo sich auch andere Pflanzen ansiedeln können. Lotrechte Kalk- und Dolomitwände werden schließlich von Felspflanzen, die hier frei von Konkurrenz leben können, und mikroskopischen Algen und Flechten, die den Felsen zersetzten, besiedelt.

Euer,

Karl.

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